Die Tunnelrennratte ist zurück - Untertagemarathon 2007

Das Salzbergwerk in Sondershausen - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2007. Dies sind die Abenteuer der Tunnelrennratten, das sind 600 Mann die bis zu sechs Stunden lang in Schächten untertage umherrennen, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre unter der Erde, dringen die Läufer in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Nachdem ich nun schon zweimal in dem stickigen Schacht meine Runden gezogen habe kam ich 2007 zum dritten mal nach Sondershausen. Es ist die sechste Auflage des Untertage-Marathons.

Dieses mal gab es keine Staus beim Einfahren in den Schacht, da die Hälfte der Läufer zu einem zweiten Förderturm gefahren wurden und so lange Schlangen vor dem Einfahren verhindert wurden.

Nach der Anmeldung stiegen wir also in ein Taxi und fuhren etwa 10 Minuten zu dem zweiten Förderturm.  Dieser kann etwa 40 Läufer gleichzeitig zur Mitte der Erde bringen.

Nach kurzer Wartezeit zwängten wir uns in den engen Korb. Dann ging es abwärts. Der Förderkorb hatte keine Beleuchtung also holte ich meine Stirnleuchte raus und sorgte für etwas Licht. Ich sah in den Gesichtern mancher Mitfahrer das sie froh waren nicht in völliger Dunkelheit in dem wackeligen Korb down under zu fahren.

Nach drei Minuten war es geschafft. Das Gitter öffnete sich und wir wurden wie eine Viehherde auf einen Pritschenwagen verfrachtet. Dann gab es eine abenteuerliche Fahrt zum Start. Der Kumpel am Steuer raste in einem Affentempo durch den Stollen. Ihm machte es sichtlich Spaß die Übertageweicheier richtig durchzuschütteln.

Am Start war dann erstmal ein Familientreff angesagt. Die Lauffamilie traf sich wieder mal im Brügmanschacht. Wir machten die üblichen Fotos und freuten uns des Lebens, immer im Hinterkopf das die schwere Strecke uns den Spaß noch austreiben würde.

Dann ging es los und jeder wurde zum Einzelkämpfer auf den vier Runden durch den Schacht.                                                                                        

Gleich am Anfang muss man eine knackige Steigung überwinden. Dann geht es wieder bergab und es folgen einige kleinere Anstiege und am Ende der Runde kommt dann ein richtig schwieriger Anstieg der in Serpentinen bergauf  führt. Verpflegung gibt es alle 2,5 Kilometer.

Die erste Runde lief relativ entspannt. In der zweiten Runde hatte sich das Feld schon sehr weit auseinander gezogen. Der erste Anstieg fiel schon deutlich schwerer. Die Haxen wollten nicht mehr so wie der Kopf. Überhaupt war es mir unheimlich warm. Ich schwitzte wie verrückt. Aus lauter Verzweifelung nahm ich meinen Helm ab. Just in diesem Moment lief Klaus Neumann auf mich auf und fragte: „He Bernie, du bist doch auch schon öfters hier gelaufen?! Kann es sein das es diese Jahr kühler ist als sonst?!“  Meine Schweißdrüsen arbeiteten gerade auf Hochtouren und ich transpirierte am ganzen Körper. Ich sah Klaus an und merkte wie bitter ernst er diese Frage meinte. Ich antwortete ihm, dass es mir genau umgekehrt vorkomme. Er meinte kurz “Ach so“ und lief an mir vorbei.

Als es dann wieder bergab ging lief ich wieder an Klaus vorbei um bei der nächsten Steigung von ihm zu hören: „ Ist denn heute Wandertag.“ Dann lief Klaus an mir vorbei und wurde an diesem Tag nimmer wieder gesehen. Verschollen im Stollen.

Derweil quälte ich mich die letzte Steigung dieser Runde hoch. Jetzt war es nicht mehr lustig! Sondern bitterer Ernst. Der Anstieg gelang noch ganz gut doch kurz nach dem Anstieg musste ich plötzlich würgen und mich übergeben. Schon in der ersten Runde wurde es mir hier schlecht. Ein fauliger Geruch lag in der Luft. Wenige Meter weiter war das aber alles kein Problem mehr und ich beendetet die ersten beiden Runden nach 2 Stunden und 15 Minuten.

Im Start-Zielbereich wurde ich jedesmal von Sabine angefeuert. Das war ein Highlight in den unbekannten Weiten des Bergwerkes. 

Auch in der dritten Runde schwitze ich was das Zeug hielt. An den Verpflegungsstellen schüttete ich mir nun regelmäßig ein Becher Wasser über mein glühend heißes Köpfchen. Ich wollte so wenigstens einige Gehirnzellen vor dem Verdunsten retten. Was ich nicht retten konnte war meine Startnummer. Die hat irgendwann den Abgang gemacht.

 Es wurde einsam in dieser Runde. Den zweiten Aufstieg bewältigte ich im schnellen Gehschritt mit einem Puls als sei ich auf Rekordjagt bei einem fünf Kilometer Lauf. Nach der Steigung musste ich mich noch mal übergeben. Der faulige Geruch war wieder da. Diesmal ging es recht schnell denn ich hatte aus der Vorrunde gelernt wie man das am besten und vor allem schnell abwickelt. Während ich mir in der letzten Runde noch ein paar Minuten Erholung gönnte, ging es diesmal gleich weiter. Routiniertes und professionelles Verhalten sind mir ganz wichtig *grins *!!!  Während dieser Runde überlegte ich sogar mal kurz auszusteigen. Doch mein erster DNF?!! Und das einfach weil es mir zwischendrin mal schlecht geht?! Ach nö so doch net.

Also weiter, zum letzten mal durch den Start-Zielbereich die erste Steigung hoch quälen. Ging noch ganz gut aber dann verließen sie ihn. Ich wurde zwischendrin langsam wie eine Schnecke. Dennoch überholte ich noch Läufer. Da ging es einigen auch nicht besser. Die unendlichen Weiten des Tunnels forderten ihren Tribut. Merkwürdigerweise baute mich das wieder etwas auf.

Dann kam die letzte Steigung. Diese forderte mir alles ab. Jeder Schritt war eine Tortur. Ich dachte ich sei in der Todeszone auf dem Weg zum Mount Everest. Meine Beine schmerzten der Puls raste in ungekannte Höhen. Ich stapfte langsam einen Schritt nach dem anderen dem Gipfel entgegen. Leider gab es oben kein Gipfelkreuz, sondern nur einen fauligen Geruch, der eine weitere Würgeattacke auslöste. Aber diesmal war ich gewappnet, ich hatte der drohenden Katastrophe eine Geheimwaffe entgegen zu setzten. In letzter Sekunde schaffte ich es mein Riechorgan mit einem gekonnten Nasengriff luftdicht abzuschließen. Im schnellen Schritt stapfte ich aus der Gefahrenzone und siehe da ich konnte mein teuer erworbenes Eigentum bei mir behalten.

Das letzte Stück lief gut, bis, ja bis ich auf einen Läufer stieß der sich schreiend die Wade dehnte. Ich wollte ihn gerade fragen ob alles in Ordnung sei als ich unverhofft mit dem kleinen Zeh gegen einen 10 cm großen Stein rannte. Der Schmerz war groß und reihte sich nahtlos zu den anderen Wehwehchen. So war es eine rundum gelungene Sache als ich nach 5:03 Stunden über die Ziellinie trabte.

Glücklich nahm ich die Medaille und das T-Shirt entgegen. Anschleißend hatte ich noch ein nettes Gespräch mit Gerhard und seiner Frau Marion. Dann stieß Kurt zu uns und wir tauschten unsere Erlebnisse aus. Kurt hatte in seiner letzten Runde mit starken Krämpfen zu kämpfen und fragte an einer Verpflegungsstelle nach Salztabletten. Der Helfer musste lachen und kratzte ihm dann etwas von der Wand ab.

Dann aus dem nichts taucht plötzlich Brigitta Biermanski auf, die mit Kurt das T-Shirt tauschen wollte. Größe S gegen Größe L, Kurt war einverstanden. Kurt hat nun ihr T-Shirt. Halte es in Ehren Kurt…………

Dann wurden wir mit dem Korb nach oben gebracht und es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund nicht wieder hier zu starten, oder etwa doch……


Sabine weiß was sie erwartet

........unschuldig im Morgenrot der Brügmanschacht


Sabine im Gespräch mit Rafael der mit offenen Schuhen angereist ist, so sind sie die harten Jungs!

Das hungrige Maul des Schachtes, der Aufzugskorb.


Olaf kann es kaum erwarten in das Dunkel des Schachtes einzudringen, Lampe Fehlanzeige nur was für Weicheier

Vorhang zu und ab in die Tiefe


Einfach brav diese Läufer, nach ca. 10 Minuten geht es ab ins Körbchen

Rafael lächelt vor der Fahrt 700 Meter in die Tiefe, ganz und gar ein Profi  halt


r

Rauf auf die Pritsche und ab geht`s

Olaf Schmalfuß gefällt der wilde Ritt durch den Schacht, Olaf hat halt immer seinen Spaß


Einige waren sichtlich genervt von der Fahrt, dass kann ich überhaupt nicht         nachvollziehen  wo gibt es schon soviel Action für so kleinen Geldbeutel..........

Dann endlich haben wir unseren lieben Lauffreund Uli Etzrodt getroffen. Uli ist nun schon zum fünften mal da. Der Mann weiß was gut ist. Im Hintergrund der Startbereich.


Uli und Rafales Frau in Gespräch

Musik und Sport, wer verkörpert was? In rot die Tunnelrennratte Bernie, in black der Chief der Bergmannskapelle.


Die Gloreichen Sieben

Nummer 7 feht -> ist nach Hause telefonieren

Von links: Bernie Conradt, Klaus-Peter Ulmschneider, Kurt Süsser, "Keule" Klaus Neumann, Uli Etzrodt und das wilde Kätzchen Olaf Schmalfuß 

  

Klaus mit dem Helmmodel "light and safe" sicher LGA-getestet

Start


Bernie Ecclestone

Rafael Penalba


Kurt Süsser

Uli Etzrodt


Klaus Neumann

Andrea Titze-Schmalfuß


Gerhard Reinhard-Miltz beim Zieleinlauf

Zieleinlauf von Klaus, Emotionen pur.


Geschafft, gefinisht, sehe ich nicht gut aus..?

Kurt mit Brigitta`s T-Shirt -> steht dir echt gut Kurt


Brigitta Biermanski Siegerin in ihrer Alterklasse, herzlichen Glückwunsch.

Die Helden kehren zurück an die Erdoberfläche

Bernie Conradt   beusa@web.de